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LOA in der Sozialpädagogik

Paul Longoni

Der Lösungsorientierte Ansatz im sozialpädagogischen Kontext von sozialen Einrichtungen:

Was ist der Gewinn?
Der Eintritt in eine soziale Einrichtung, ein Heim wird von Eltern, Kinder und Jugendlichen immer noch als Scheitern und oft als eine Strafe verstanden. Diese Haltung erschwert den PädagogenInnen die Arbeit. Der Fokus der Arbeit wird oft auf die Behebung der Probleme, die „Reparatur“ der Kinder und Jugendlichen gelegt.
 
Mit der Einführung des lösungsorientierten Modells im pädagogischen Alltag einer sozialen Einrichtung wandelt sich die Sichtweise der PädagogenInnen weg von den Probleme und dem Heilen von Defiziten und Traumata hin zur Erkennung und Stärkung der Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen und ihrer Eltern.
 
Gelingt diese Haltungsänderung können Kinder und Jugendliche erfolgreich sein und die Beziehung zu den Erwachsenen, den PädagogenInnen verbessert sich und die „Belastung“ der Mitarbeitenden wird reduziert.
 
Was ist spezifisch?
Die Umsetzung des Lösungsorientierten Ansatzes in einer sozialen Einrichtung besteht in erster Linie in einer Haltungsveränderung und weniger in der erfolgreichen Anwendung geeigneter „Gesprächswerkzeuge“. Da es sich bei dieser Haltung um Gegensätze zu unserer üblichen Sozialisation handelt (vom Defizit zur Kompetenz, Glauben an die Selbstkompetenz aller Menschen, die Überzeugung, dass jeder Widerstand eine Form von Kooperation ist, usw.) ist „das Leben“ dieser Haltung eine stetige Herausforderung die nie abgeschlossen ist und immer wieder erinnert, aufgefrischt und eingeübt werden muss. Kaspar Baeschlin, ein Pionier der Lösungsorientierung im pädagogischen Kontext prägte in diesem Zusammenhang den passenden Begriff; „Einfach aber nicht leicht“.
 
Im Alltag einer sozialen Einrichtung müssen die Mitarbeitenden spontan handeln (Alltagebene). Erst nach der Handlung kann und muss diese Handlung reflektiert werden (Reflexionsebne). Auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im lösungsorientierten Kontext verläuft auf diesen beiden prinzipiellen Ebenen. Die lösungsorientierte Haltung muss die Alltagsebene bestimmen und die Werkzeuge finden insbesondere auf der Reflexionsebne mit den Kindern und Jugendlichen ihre Anwendung.
 
Aufgrund dieser Spezifika der Umsetzung des LOA in sozialen Einrichtungen muss eine Einrichtung nach diesem Ansatz „konstruiert“ werden soll der Ansatz nachhaltig und mehr als „ein neues Werkzeug“ sein.
 
Welche aktuellen Entwicklungslinien sind erkennbar?
Seit dem Tod von Steve de Shazer und Inso Kim Berg hat sich die Umsetzung der Lösungsorientierung im Kontext der sozialen Einrichtungen „geöffnet“ So finden heute zunehmend auch Elemente aus ähnlichen Ansätzen (z.B. Marte Meo, u.a.) den Weg in die sozialen Einrichtungen und ergänzen den lösungsorientierten Ansatz.
 

AKTUELLE LITERATUR:

  • Handbuch Lösungsorientiertes Arbeiten mit Kindern, Insoo Kim Berg & Therese Steiner
  • Jetzt mal angenommen...: Anregungen für die lösungsfokussierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Therese Steiner
  • Ich schaffs! - Cool ans Ziel: Das lösungsorientierte Programm für die Arbeit mit Jugendlichen, Christiane Bauer und Thomas Hegemann
  • Fragen können wie Küsse schmecken: Systemische Fragetechniken für Anfänger und Fortgeschrittene, Carmen Kindl-Beilfuss
  • Ich schaffs! Spielerisch und praktisch Lösungen mit Kindern finden - Das 15-Schritte-Programm für Eltern, Erzieher und Therapeuten, Ben Furman
  • Auf die Stärken kannst du bauen. Lösungsorientierte Arbeit in Heimen und anderen stationären Settings, Durrant M., Dortmund: Modernes Lernen, 1996