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LOA in der sozialen Arbeit

Irene Müller und Käthi Vögtli

Soziale Arbeit

In der Sozialen Arbeit hat sich der Lösungsorientierte Ansatz in den letzten 15 Jahren stark verbreitet. Angebotene Weiterbildungen werden rege besucht und an den meisten Fachhochschulen ist dieser Ansatz Teil des Methodenwissens, das im Bachelorstudium vermittelt wird. Soziale Arbeit richtet sich im freiwilligen und gesetzlichen Kontext an Menschen in schwierigen, herausfordernden Lebenssituationen. Manchmal zwingt Not sie dazu, wirtschaftliche Sozialhilfe zu beantragen; manchmal wird eine Gefährdungsmeldung für Kinder an die Behörden gerichtet, woraufhin die Sozialarbeitenden mit der Familie in Kontakt treten und die Situation „abklären“ müssen. Da stellt sich die Frage: „Kann man da wirklich lösungsorientiert arbeiten“? Wir wissen mittlerweilen, dass das  geht, sehr gut sogar. Und: es braucht Anpassungen ans spezifische Arbeitsfeld.
 
Sozialarbeitende haben ein doppeltes Mandat. Sie haben den Auftrag, Hilfe zu leisten und - je nach Arbeitsfeld – mehr oder weniger Kontrolle auszuüben. Sie sind einerseits angestellt und bezahlt dafür, Situationen „abzuklären“ und zu helfen, diese zu verändern, vielleicht kommen sie aber auch zum Schluss, einen schmerzlichen Einschnitt im Leben ihrer Klienten oder Klientinnen vorzuschlagen. Lösungsorientiertes Arbeiten in der Sozialen Arbeit setzt deshalb insbesondere zwei Dinge voraus:
 

  • Die Grundhaltung, dass Menschen Ressourcen haben, dass sie „gute Gründe“ haben, auch wenn wir diese noch gar nicht sehen können, und dass sich immer etwas bewegen, verändern, verbessern kann.
  • Klarheit, die immer wieder hergestellt werden muss: Wer gibt wem welche Aufträge, was kann erwartet werden, welche Vorgaben sind da und wer hat welche Ziele? Insbesondere bei angeordneten Kontakten achten wir in der Lösungsorientierung auf die Unterschiede: Ziele von Behörden sind für Klienten/innen Vorgaben, und es ist sehr nützlich, sie als solche zu benennen. Anschliessend können Klienten/innen ihre eigenen Ziele formulieren, im Rahmen der Vorgaben – und die Professionellen können fragen, wie sie bei deren Erreichung nützlich sein können. Damit entstehen Freiräume und Wahlmöglichkeiten. Zudem werden  Sozialarbeitende so nicht einfach als der verlängerte Arm der Behörden wahrgenommen.

Die Kombination von Lösungsorientierten Grundhaltungen und spezifischem Fachwissen ist in der Sozialen Arbeit von grosser Bedeutung. Im Laufe der Zeit wurden  in den unterschiedlichsten Institutionen eine Fülle von konkreten Werkzeugen entwickelt, wie zum Beispiel: Lösungsorientierte Erstgespräche für wirtschaftliche Sozialhilfe oder bei Gefährdungsmeldungen, für gewaltbetroffene oft traumatisierte Frauen im Frauenhaus oder für Menschen in einer psychiatrischen Klinik.
 
In der Sozialen Arbeit werden die Professionellen oft beauftragt, „Menschen zu verändern“. Das Wissen darum, dass Veränderung immer ein eigener Prozess der Betroffenen ist, den wir nicht „machen“, wohl aber professionell unterstützen können, diese „Position des Nichtwissens“  schützt, so berichten viele Sozialarbeitende, erfolgreich vor einem Burn-out.

Aktuelle Lieteratur:

  • Kinderschutz und Lösungsorientierung. Erfahrungen aus der Praxis – Training für den Alltag.Berg, Insoo Kim & Kelly, Susan, verlag modernes lernen, 2002
  • Wo keine Hoffnung ist, muss man sie erfinden. Conen, Marie-Luise, Carl-Auer-Systeme Verlag, 2002
  • Empowerment konkret? Wie SozialarbeiterInnen in ihrem Alltag KlientInnen bei der Selbstermächtigung unterstützen und zugleich ihren institutionellen Auftrag erfüllen – Anregungen durch den systemisch lösungsfokussierten Ansatz nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg, Gaiswinkler, Wolfgang & Roessler, Marianne, EntwicklungspartnerInnenschaft Donau Quality in Inclusion (Hg). Sozialer Sektor im Wandel. Zur Qualitätsdebatte und Beauftragung von Sozialer Arbeit, 2007 ==> zum Artikel
  • Sozialarbeit ist anspruchsvoller als Therapie. In Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung, Herwig-Lempp, Johannes & Kühling, Ludger  Jg. 30, April 2012, S. 51-56.
  • Werkzeugkiste des lösungs- und kompetenzorientierten Handelns. CD-ROM für PC und Mac, Pfister-Wiederkehr, Daniel & Vögtli Käthi, interact-Verlag, Hochschule Luzern – Soziale Arbeit, 2003