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LOA im Management

Hans-Peter Korn
 
Lösungs"fördernd" Managen und Führen

„Lösungsfördernd“? Wieso nicht „lösungsorientiert“ oder „lösungsfokussiert“!

Weil „lösungsorientiert“ oder „lösungsfokussiert“ gerade im Management gerne missverstanden wird als "Probleme beiseiteschieben und geradewegs auf die Lösung zuzusteuern. Am besten auf die eigene". Genau darum geht es jedoch nicht.

Sondern es geht darum, Lösungen mit dem Betroffenen gemeinsam zu erarbeiten. Oder - als Führungskraft - Voraussetzungen zu schaffen, damit die Mitarbeitenden zu Problemstellungen die passenden Lösungen finden. Und dazu gehört statt dem Beiseiteschieben der Probleme durchaus auch ein angemessenes Mass an Problemanalyse - ohne in dieser Problemanalyse steckenzubleiben. Deshalb: „LösungsFÖRDERND Managen und Führen“.

Basis sind die sechs Merksätze der „lösungsfördernden Einfachheit" (in Anlehnung an McKergrow/Clarke: Solutions Focused Working, Solutions Books 2001, Chapter 1):

  1. Lösungen statt Probleme: Das Problem nicht mehr als nötig analysieren. Rasch zu fragen beginnen, wie es besser wäre und wann es bisher hin und wieder schon mal etwas besser gewesen ist.
  2. Inter-AKTION:  Das gemeinsame Handeln, die InterAKTION, suchen. Nicht über Meinungen, Glaubenssätze oder abstrakte Werte debattieren sondern über das beobachtbare Handeln sprechen.
  3. Beachte und nutze das, was da ist - nicht das Fehlende: Nicht der "Soll - Ist - Vergleich" steht im Zentrum. Sondern all das zu erkennen was heute - wenn auch nur in Ansätzen und selten - bereits vorhanden ist. Und überlegen, wie das gelungen ist.
  4. Die Chancen im Gestern, Heute und Morgen sehen: Nicht nur die zukünftigen Chancen suchen. Zusätzlich auch Chancen im Heute und Gestern erkennen um sie zu verstärken.
  5. Einfache Sprache: Statt langer, komplizierter, abstrakter und beeindruckend klingender Worte einfache Alltagsworte benutzen.
  6. Jede Situation als speziell sehen: Keine allgemeinen Theorien oder „beste Praktiken“ anwenden. Jede Situation offen und neugierig als neuartig sehen und sich vom Spezifischen überraschen lassen


Lösungsfördernde Führungskräfte geben keine Ratschläge sondern stellen Fragen. Zum Beispiel die folgende „PLUS-Fragen“ (In Anlehnung an Michael Hjerth, www.solutionwork.se Quelle: http://solworld.ning.com/group/microtoolsandtheplusmodel/forum/topics/2102269:Topic:3785

 
P LATFORM

  • Wie äussert sich das Problem? Was konkret beobachtest - nicht „vermutest“ - du? 
  • Im Rahmen welcher übergeordneten Aufgabe tritt es auf?
  • Was ist der Sinn / Nutzen dieser übergeordneten Aufgabe? Für welchen Nutzniesser?
  • Was konkret ist der Einfluss des Problems auf diesen Nutzen?

L OOK AT THE POSSIBLE FUTURE
Angenommen, dieses Problem ist gelöst:

  •  Was ist dann der  bestmögliche  Effekt dieser Lösung? Wer aller merkt ihn – und wie?
  •  Was mindestens müsste der Effekt dieser Lösung sein?

U TILIZE PREVIOUS SUCCESS
Wenn auf einer Skala von 0 bis 10 der "bestmögliche Effekt" die 10 ist:

  •  Wie gut ist die jetzige Situation?
  •  Was hast du beigetragen, dass es auf der Skala diesen  und keinen tieferen Wert hat?
  •  Wann in der Vergangenheit war es (wenn auch selten) besser als jetzt?
  •  Wie hast du zu diesen "positiven Unterschieden" beigetragen?

S TEPPING THE SCALE

  • Was kannst du tun, damit die Situation um wenigstens einen Skalenpunkt besser wird? 
  • Was ist der erste, konkrete, Schritt? Woran wirst du merken, dass er erfolgreich war?

 

Anwendungsbeispiele:

"Projektteams zu Lösungen ver-führen!" RESOOM MAGAZINE 03/2009 ==> öffnen
"Retrospectives Applied as “PROspectives" - A Solution- and Situation-Focused Way to Learn and Improve" ==> öffnen

Empfehlenswerte LOA-Literatur:
Mark McKergow: Solution-Focused Approaches in Management [Englisch]  (Published as a chapter in 'Solution-Focused Brief Therapy', Cynthia Franklin, Terry Trepper, Eric McCollum & Wallace Gingerich, eds, Oxford University Press, 2011) ==> öffnen
Solution-Focused Management [Englisch], Günter Lueger (Herausgeber), Hans-Peter Korn (Herausgeber), Verlag: Hampp, Mering,  2006 ==> öffnen

Verwandte Ausrichtungen:
"Lösungsorientiertes" oder "lösungsfokussiertes" Management hat sich als Begriff bisher nicht breiter durchgesetzt - im Gegensatz zu vielen anderen postfordistischen Richtungen, welche aber durchaus Berührungspunkte mit den LOA-Prinzipien aufweisen. Dazu gehören u.a. die "transformationale Führung", die "partizipative Führung", "Beyond Budgeting", "Management 3.0", "agiles Vorgehen / agiles Management" und etliche andere. 

Hinzuweisen ist hier auch noch auf einen fundamentalen Unterschied zwischen der Lösungsorientierung im Kontext insbesondere von Therapie und Coaching einerseits und der Lösungsorientierung im Bereich von Führung und Management andererseits:
Bei der grossen Mehrheit der heutigen Unternehmen sind die Eigentümer meist (oft institutionelle) Investoren ausserhalb der Mitarbeiterschaft. Die primäre Verantwortlichkeit des Managements gegenüber diesen Eigentümern und nicht gegenüber den Mitarbeitenden begründet das von oben (den Eigentümern) nach unten (den das Eigentum vermehrenden Angestellten) gerichtete Führungsprinzip. Und somit wird es in der grossen Mehrheit der heutigen Unternehmen stets eine von oben bestellte, letzten Endes primär gegenüber den Investoren oder den Eigentümern verantwortliche, Führung geben.

Führung kann unter diesen Voraussetzungen nicht "absichtslos" praktiziert werden - im Gegensatz zur lösungsorientierten Haltung im Bereich Therapie und Coaching, bei der die Verantwortung für die passende Lösung beim Klienten bzw. Kunden liegt. 

Führung kann in diesem Kontext zwar etliche Methoden der LOA in Therapie und Coaching nutzen, nicht aber insgesamt der lösungsorientierten Arbeit gemäss de Shazer und Berg entsprechen.

Eine ähnliche Problematik stellt sich im Übrigen auch bei LOA im Bereich der dem Klienten verordneten Massnahmen etwa in sozialtherapeutischen Institutionen.